Kraftwerk Lippendorf gehört jetzt komplett zur tschechischen EP-Gruppe
Das Bundeskartellamt hat die neuen Besitzverhältnisse am Braunkohlenkraftwerk Lippendorf genehmigt. Das Kraftwerk gehört jetzt komplett zur EP-Gruppe des tschechischen Milliardärs Daniel Křetínský. Auch der Kraftwerksleiter ist neu.
Neukieritzsch/Lippendorf. Das Braunkohlekraftwerk Lippendorf ist seit dem 1. Januar 2026 komplett in der Hand der tschechischen EP-Gruppe. Das Kraftwerk im Südraum von Leipzig besteht aus zwei Blöcken mit jeweils 875 Megawatt elektrischer Leistung. Nunmehr wurde Block S und damit das halbe Kraftwerk verkauft.
Die Anlage gehörte bisher der Energie Baden-Württemberg AG (EnBW). Der süddeutsche Energiekonzern hatte bereits im Jahr 2023 angekündigt, früher als vom Gesetzgeber gefordert, aus der Braunkohle auszusteigen. Laut Gesetz kommt das Aus für die Lippendorfer Kühltürme spätestens Ende 2035.
Kraftwerk von Milliardär kontrolliert
Neuer Eigentümer von Block S ist die EP Energy Transition. Diese gehört zur EP-Gruppe, die laut Bundeskartellamt vom tschechischen Milliardär Daniel Kretínský kontrolliert wird. Der Investor machte zuletzt mit seinem Einstieg beim französischen Energiekonzern Total Energies Schlagzeilen.
Die EP-Gruppe ist zudem seit Kurzem alleiniger Eigentümer der Lausitzer Leag, die das Kraftwerk Lippendorf betreibt und der wiederum der zweite Kraftwerksblock (R) bereits gehört.
„Wir senken damit unsere CO₂-Emissionen um bis zu zweieinhalb Millionen Tonnen jährlich“, erklärte Peter Heydecker, EnBW-Vorstand für nachhaltige Erzeugungsinfrastruktur, zum Verkauf der Geschäftsanteile. „Wir danken unseren Partnern, dem gesamten Betriebsteam am Standort und den kommunalen Vertreterinnen und Vertretern für die erfolgreiche Zusammenarbeit in den vergangenen Jahren.“
Das Bundeskartellamt hatte noch im Vorjahr die Genehmigung zum Verkauf erteilt. Zur Begründung hieß es unter anderem, die Verstärkung einer möglicherweise bestehenden marktbeherrschenden Stellung sei nicht feststellbar.
Kartellamt hat keine Bedenken gegen Verkauf an EP-Gruppe
Block S habe im Jahr 2023 lediglich rund 2,1 Prozent zur konventionellen Stromerzeugung in Deutschland beigetragen. Das Kartellamt sieht durch den Eigentümerwechsel keine Wettbewerbsverzerrung.
Im Gegenteil: Es wird sogar davon ausgegangen, dass Block S jetzt möglicherweise häufiger als bisher am Netz ist und sich dies „preissenkend und wettbewerbsbelebend“ auswirken könne.
Frank Pönicke folgt auf Christian Rosin
Laut Leag-Sprecherin Kathi Gerstner hat sich die Führungsmannschaft zudem neu aufgestellt. Neuer Leiter des Lippendorfer Kraftwerks ist demnach Frank Pönicke. Der 43-Jährige habe nach anderthalb Jahren kommissarischer Leitung zum 1. Januar 2026 die vollumfängliche Verantwortung für das Braunkohlekraftwerk übernommen. „Der Ingenieur für Elektrotechnik verfügt über 23 Jahre Erfahrung am Kraftwerksstandort südlich von Leipzig und war dort in verschiedenen Positionen – zuletzt als Leiter Anlagenbetrieb – tätig“, so die Leag.
Pönicke folgt damit auf den langjährigen Kraftwerkschef Christian Rosin, der im Vorjahr zur Mitnetz Gas GmbH gewechselt ist.
Parallel steht die Leag für den Bau eines Gaskraftwerkes in der Gemeinde Neukieritzsch bereit. „Wir bereiten uns seit Monaten intensiv auf die bis zum Sommer angekündigten Ausschreibungen für dringend benötigte neue Gaskraftwerkskapazitäten vor“, so Leag-Chef Adi Roesch gegenüber LVZ. Sobald mit den Ausschreibungen der Startschuss fällt, werde die Leag konkrete Schritte gehen.
Der Bau eines neuen Gaskraftwerkes soll auf dem Gelände des Altkraftwerkes Lippendorf realisiert werden. Eine Teilbaugenehmigung unter anderem für Pförtnerhaus und Baustraßen gibt es bereits seit Oktober 2023.
LVZ