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Kraftwerk Lippendorf: Leag will für Großinvestition Straße wegreißen


Die Pläne für das neue Gaskraftwerk der Leag werden konkreter. Für ein möglichst störungsfreies Baufeld soll die bisherige Umgehungsstraße durchs Industriegebiet ersatzlos zurückgebaut werden. Dagegen regt sich in Lippendorf Protest.

Neukieritzsch/Lippendorf. Das Bergbau- und Energieunternehmen Leag treibt Pläne für ein neues Gaskraftwerk in Lippendorf voran.

Spätestens mit dem gesetzlich fixierten Kohleausstieg kommt Ende 2035 das Aus für die Kohleverstromung aus Braunkohle. Um die Energieversorgung weiter sicherzustellen, soll im Leipziger Südraum ein Gaskraftwerk entstehen.

Als zentraler Akteur der Großinvestition stellte sich am Dienstagabend im Neukieritzscher Gemeinderat die Leag Clean Power (LCP) GmbH vor, eine hundertprozentige Tochter der Leag GmbH.
Leag steht zum Standort Lippendorf

Noch seien nicht alle Rahmenbedingungen geklärt, doch es gebe ein klares Bekenntnis der Leag und der hinter ihr stehenden tschechischen EPH-Gruppe, den Standort weiterzuentwickeln, hieß es.

„Auch nach 2035 soll in Lippendorf Strom erzeugt werden“, erklärte Stephan Kleemann von CLP. „Damit wollen wir Arbeitsplätze erhalten und neue Technologien ansiedeln.“

Lippendorf bringt alle Vorteile eines vollständig erschlossenen Energie- und Industriestandortes mit. Das Areal südlich des jetzigen Kraftwerkes wurde für den Neubau gewählt, weil es der Leag gehört und weil dafür schon ein gültiger Bebauungsplan existiert.

Das neue Gaskraftwerk soll 850 Megawatt Leistung erbringen und damit in etwa so viel wie einer der beiden Blöcke des Braunkohlenkraftwerks. „Außerdem planen wir einen Batteriespeicher mit 1000 Megawatt sowie ein 380-kV-Umspannwerk etwa in der Größe von Pulgar.“
Straße durchs Industriegebiet soll zurückgebaut werden

Dies alles gehe mit einem erheblichen Flächenbedarf einher, unterstrich Stefan Wolf, weiterer Projektverantwortlicher der CLP. Um alle Technologien sinnvoll anzuordnen, sei ein möglichst störungsfreies Baufeld nötig. „Aktuell haben wir allerdings das Problem, dass die Straße Am Kraftwerk mitten durch das Baufeld führt und deshalb zurückgebaut werden muss.“

Bislang waren die Einwohner von Lippendorf davon ausgegangen, dass die Trasse weiter östlich neu errichtet wird. Der drohende Wegfall der Umfahrung, die eine wichtige Entlastungsfunktion für Lippendorf erfüllt, ist deshalb eine Hiobsbotschaft für den Neukieritzscher Ortsteil.

„Wir werden den ersatzlosen Rückbau der Straße auf keinen Fall hinnehmen“, demonstrierte Jürgen Schwarz, Ortsvorsteher von Lippendorf-Kieritzsch, noch während der Sitzung Entschlossenheit.

„Wir stehen dem Projekt des Gaskraftwerkes grundsätzlich sehr aufgeschlossen gegenüber, weil wir um die Bedeutung der Großinvestition für die Region wissen. Aber es kann nicht sein, dass dann der ganze Verkehr durch die Ortschaft läuft.“

Die Leag hatte die Verkehrsströme rund um das Industriegebiet im Leipziger Südraum kürzlich unter die Lupe genommen. „Wir haben an drei Werktagen und einem Samstag die Fahrzeuge gezählt“, so Stefan Wolf.

Auf der Straße Am Kraftwerk waren demnach täglich rund 1400 Fahrzeuge unterwegs, auf der Lippendorfer Ortsdurchfahrt – der Staatsstraße 71 – waren es etwa 6200. Aktuell läuft demnach 18 Prozent des Verkehrs über die dem Abriss geweihte Industriestraße.
Lippendorfer wollen mit Nachdruck für Trasse streiten

Aus Sicht der Leag braucht es die Verbindung durchs Industriegebiet also nicht zwingend, zumal sie das Projekt verteuern würde.

Ortsvorsteher Schwarz hält dagegen: „Wir werden uns mit großem Nachdruck für die Verlegung der Straße einsetzen. Der Wegfall ist für Lippendorf die denkbar schlechteste Lösung. Die Kosten einer Umverlegung sind uns wohl bewusst, gleichwohl dürfte der Straßenbau im Verhältnis zur Gesamtinvestition kaum ins Gewicht fallen. Es wäre zudem ein deutliches Zeichen für eine vernünftige Nachbarschaft zwischen Industrie und Anwohnern.“

Der Neukieritzscher Bürgermeister Thomas Meckel (SPD) zeigte sich zuversichtlich, dass eine gemeinsame Lösung zwischen CLP, Kommune und Anwohnern gefunden wird. „Die Straße gehört uns. Der Verkauf muss also auch noch im Gemeinderat beschlossen werden.“ Auch damit habe man einen Trumpf in der Hand, der die Leag zu einer für Lippendorf möglichst verträglichen Lösung bewegen könnte.

Bereits in den nächsten Tagen soll der Verkehr erneut gezählt werden. Auch Gespräche mit dem Landesamt für Straßenbau und Verkehr sind geplant.

Der Aufstellungsbeschluss für die Änderung des B-Plans wurde am Ende einstimmig gefasst. Allerdings mit dem deutlichen Vermerk, dass ein städtebaulicher Vertrag zwischen Investor und Kommune die Details regeln muss.

Erste Bautätigkeiten werden sich laut LCP auf den Batteriespeicher konzentrieren. Dieser müsse bis Mitte 2029 in Betrieb gehen. „Nur dann“, so Kleemann, „sind wir von den Netzentgelten befreit.“ Die Anordnung soll möglichst weit weg von der Lippendorfer Bebauung erfolgen.

LVZ