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Bebauung am See: Stadtrat segnet umstrittene Pläne für Kap Zwenkau ab


Lange arbeitete die Stadt an der Änderung für die Bebauung am Hafen. Jetzt verabschiedete der Stadtrat die Pläne, die in der Bevölkerung auf Widerstand stoßen. Anwohner kündigen ein Nachspiel an.

Zwenkau. Der Zwenkauer Stadtrat hat in seiner letzten Sitzung des Jahres die dritte Änderung des Bebauungsplanes „Seebad Zwenkau“ beschlossen. Damit können die Pläne von Stadt und Investor umgesetzt werden. Die dritte Änderung löst die vorherige ab, die unter anderem einen 68 Meter hohen Turm auf der Mole erlaubte.

Bevor der Satzungsbeschluss rechtskräftig wird, muss ein städtebaulicher Vertrag zwischen Stadt und Eigentümerin der Fläche, der Sächsischen Seebad Zwenkau GmbH (SSZ) geschlossen werden. Dieser Vertrag muss ebenfalls vom Stadtrat bestätigt werden. Anschließend wird der Beschluss im Amtsblatt veröffentlicht.

Dem voraus gingen Jahre der Planung. Im März 2023 beschloss der Stadtrat die Aufstellung der Änderung. Zweimal legte die Stadtverwaltung Entwürfe aus, zu denen sich die Öffentlichkeit, also Träger öffentlicher Belange wie Kommunen und Behörden und Bürgerinnen und Bürger äußern konnten.

Die eingegangenen Stellungnahmen bearbeitete das Zwenkauer Bauamt. Dieses Abwägungsprotokoll stimmte der Stadtrat vor dem Satzungsbeschluss ab. Alle Reaktionen des Bauamtes auf die eingegangenen Stellungnahmen wurden mehrheitlich bestätigt.
Bürger kritisierten Entwürfe

Mehrfach jedoch enthielten sich Stadträtinnen und Stadträte oder stimmten dagegen, wie von der Fraktion Zwenkau Aktiv. Das Protokoll wurde bei drei Enthaltungen und einer Gegenstimme beschlossen. Der sich direkt anschließende Satzungsbeschluss mit drei Enthaltungen.

Das Protokoll, das alle anonymisierten Stellungnahmen beinhaltete, zeigte deutlich, worum es den Bürgerinnen und Bürgern bei ihrer Kritik ging: Die Gebäudehöhen seien trotz der Reduktion von 68 auf 26 Meter immer noch zu hoch, die geplante Bebauung wirke erdrückend, von touristischem Flair könne keine Rede sein. „Soll der See versteckt werden?“, lautet die Frage einer Person.

Die Reaktion der Verwaltung darauf war größtenteils der Hinweis, dass die Gebäudehöhen vom ursprünglich angedachten Turm auf der Mole bereits um 39 Meter reduziert wurden. „Ein allgemeiner Anspruch auf Aussicht auf den See (…) existiert nicht“, heißt es. Die Sorge einiger um den Stadtplatz sei unbegründet, dieser bleibe erhalten.

Die Stadt verfolgte mit der Änderung drei Ziele: erstens, den Turm zu unterbinden, zweitens, die maritim-touristische Nutzung durch einen Mix aus Büros, Sport, Wohnungen und „stillen“ Gewerben zu ersetzen, um das Kap „kontinuierlich und unabhängig von Freizeitausflüglern zu beleben“. Drittens sollen die bislang kompakt geplanten Gebäude Durchgänge bekommen, erklärte Bürgermeister Holger Schulz auf Anfrage.
Änderung erlaubt Bebauung der Mole

Die 3. Änderung erlaubt nun ein in Stufen angeordneten Gebäude mit maximalen Höhen von 26, 22 und 18 Metern. Das höchste Gebäude würde damit auf einer Linie mit dem Bergbau-Pavillon am oberen Kreisverkehr abschließen. Außerdem ist die Bebauung entlang des technischen Hafens möglich, allerdings mit mehreren Einkerbungen, anstatt wie im vorherigen Plan im Block umsetzbar.

Im Nachgang an die Sitzung zeigte sich die Zwenkau-Aktiv Stadträtin, Nina Schreckenbach, wenig überrascht vom Ergebnis. Mehrfach hatte die Fraktion und der gleichnamige Verein zu dem Thema informiert und Workshops veranstaltet. „Es fehlte lange an Austausch und Informationen zwischen Öffentlichkeit, Investor und Verwaltung“, sagt sie. „Für uns alle war es ein wichtiger Lernprozess.“ Für die Zukunft hoffe ihre Fraktion, dass die Kommunikation frühzeitiger und aktiver angegangen werden.

Benedikt Kahlstadt, Geschäftsführer der SSZ freute sich über den Beschluss, der knapp drei Jahre nach Beginn des Prozesses gefasst wurde. „Die Arbeit fängt jetzt erst an.“ Die SSZ will die Flächen an den Investor Roman Krabbes von Krabbes & Krabbes verkaufen, der wiederum bereits in Kontakt mit Investoren für die Bebauung sei. Ferienwohnungen, ein Hotel, Wellness-Angebote, ein Restaurant mit Rooftop-Bar und Wohnungen könnten hier entstehen.

Erst wenige Wochen vor dem jetzt gefassten Satzungsbeschluss starteten einige Zwenkauer eine Unterschriftenaktion gegen die Pläne. Olaf Wenzel hat sie mitinitiiert. Nach dem Beschluss am Donnerstag bestätigte er auf LVZ-Anfrage: „Jetzt passiert, was wir angekündigt haben. Wir werden ein Bürgerbegehren dagegen mit dem Ziel eines Bürgerentscheids umsetzen.“

LVZ